Licht! Oder die Verkündigung einer großartigen Nachricht...

Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (Mailand, 1571 – Porto Ercole, 1610)
Die Verkündigung, Öl auf Leinwand, etwa 1607–1610

Er nimmt das ganze Licht ein: Gabriel. Ein Engel. Eine Erscheinung. Eine „Verkündigung“. Diese Szene stammt aus der Bibel: Der Engel beugt sich über Maria und vertraut ihr die gute Nachricht an. Maria, mit lichtgetränktem Gesicht, wird ein Kind austragen: Das Kind Gottes.

Der Maler hat in seinem Gemälde Botschaften versteckt. Haben Sie diese Blume bemerkt? Eine weiße Lilie, das Symbol für Reinheit und Jungfräulichkeit, das auf die Jungfrau Maria anspielt. Im Vordergrund ein weißes Tuch, fast ein prophetisches Leichentuch, damit der Betrachter nicht des tragische Schicksal des Jesuskindes vergisst. Im Erwachsenenalter wird es sich Opfern und durch die Menschen getötet. Auch wenn diese Codes mitunter schwer zu entschlüsseln sind, waren sie umso ersichtlicher für die Gläubigen des 17. Jahrhunderts. Mit der Darstellung eines einfachen Stuhls konnten sich die Betrachter in das bescheidene Heim von Maria hineinversetzen, so wie es von den heiligen Schriften beschrieben wird. Das ganze Genie des Malers Caravaggio ruht in diesem Spiel aus Licht und Schatten, dem Kontrast zwischen Alltäglichem und dem Außergewöhnlichen. Auch wenn das Innere glanzlos wirkt, ist die Szene nicht weniger göttlich: Die Verkündigung ist strahlend.

Warum hängt dieses Gemälde an der Wand des Musée de Nancy? Wie kam es aus Neapel und dem 17. Jahrhundert zu uns? Das bleibt ein Rätsel... Vermutet wird eine Bestellung des Herzogs von Lothringen Heinrich II. Sicher ist, dass das Gemälde im Zuge der Beschlagnahmen während der Französischen Revolution in die Sammlungen des Museums aufgenommen wurde. Das Werk ist seit jeher ein Aushängeschild des Museums, das sie in den oberen Stockwerken bewundern können.