Liebe im Morgengrauen / Göttliche Idylle

François Boucher (Paris, 1703 – Paris, 1770) Aurora und Cephalus, Öl auf Leinwand, 1733

Die ersten Lichter des Morgens begrüßen mit ihren hellen und fröhlichen Farben die aufkeimende Liebe einer Frau und eines Mannes. Sie hat einen blassen Teint, rosa Fleisch und blondes Haar: Es ist Aurora. Er ist ein Jäger begleitet von seinen Hunden, der seinen Köcher bei sich trägt. Er hat den Körper eines Athleten: Es ist Cephalus. Aurora und Cephalus, die beiden Liebenden auf einer kleinen Wolke. Die Zeit scheint still zu stehen. Cephalus scheint gefesselt von der Schönheit Auroras... man könnte beinahe ihre Geschichte vergessen, die so tragisch endet.

Denn Aurora und Cephalus sind kein Paar wie jedes andere. Sie sind ein Mythos, den uns Ovid in seinem Werk Die Metamorphosen erzählt. Cephalus hat nur noch Augen für Aurora und dennoch kann er für sie nicht alles hinter sich lassen. Zur großen Enttäuschung von Aurora sollte er seiner Frau, Prokris, treu bleiben. Das Ende der Geschichte ist tragisch: Mit gebrochenem Herzen rächt sich Aurora an ihrem Liebhaber, indem sie ihn dazu bringt, Prokris während eines Jagdausflugs zu töten.

François Boucher, französischer Maler aus dem 18. Jahrhundert, hat sich entschieden, uns die glücklichen ersten Momente einer aufkeimenden Liebe zu erzählen, die ihr unheilvolles Schicksal außer Acht lassen. Die Liebe der antiken Götter war damals ein modernes Thema, das häufig aufgegriffen wurde, um eine reichhaltige Palette an Farben, Verzierungen, Draperien und Kurven einzusetzen, die letztendlich die „Rocaille“ bildeten.